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Der Einladung der Gemeindebücherei Hermannsburg waren die Sechst- und Siebtklässler der Schule zur Autorenlesung gefolgt. Am 16. September trug die Autorin Anja Tuckermann aus ihrem neuesten Werk „Mano – der Junge der nicht wusste, wo er war“, vor.

Der 11-jährige Mano hat Schlimmes hinter sich – am Ende des Krieges flieht er mit seinem Cousin Manfred und anderen Kindern aus dem Konzentrationslager (dem dritten, in dem er war und wo er von seinen Eltern getrennt wurde), um nach München zurückzukehren. Doch Mano ist gesundheitlich stark angeschlagen und kommt auf der Flucht nicht hinterher. Und so wird er schließlich von einem französischen Lastwagen mitgenommen und gelangt so auf diesem Weg nach Frankreich, obwohl er kein Wort der Sprache versteht.

Bild Autorenlesung Über mehrere Stationen kommt er in der Familie Fouquet unter: Tante Fifine, Onkel Félix (wie er die beiden meist nennt) und ihr Sohn Paul kümmern sich um den traumatisierten Jungen, der ständig Angstattacken hat, nach seiner Mutter ruft, nicht alleine sein kann und keine Nacht ohne Albträume, aus denen er schreiend erwacht, verbringt. Erst sehr langsam wird Mano etwas ruhiger. Doch bei Tante Fifine und Onkel Félix kann er nicht dauerhaft bleiben, da sie zu wenig Geld haben, sich nicht rund um die Uhr, wie Mano es benötigt, um ihn kümmern können und auch der Platz in ihrer Wohnung nicht ausreicht.
So kommt Mano zunächst bei Madame Marcheix-Thoumyre unter, die sich um viele Kriegsflüchtlinge kümmert, bevor er schließlich nach Le Havre zu einer kinderlosen Lehrerfamilie kommt. Dort soll er, obwohl er sich herumgereicht und heimatlos fühlt, unterrichtet und dauerhaft untergebracht werden.

Selbst viele Monate später leidet Mano noch immer unter seinen Erlebnissen in den Konzentrationslagern und vermisst seine Eltern. Madame Marcheix-Thoumyre startet über die Behörden viele Suchaufträge – doch es nicht klar, ob Manos Eltern noch leben. Die Suche nach den Eltern wird dadurch erschwert, dass Mano nicht den richtigen Namen seiner Eltern preisgibt – aus Angst davor, dass er als Deutscher erkannt werden könnte und dann darunter zu leiden hat.
Was Anja Tuckermann in ihrem neuen Buch geleistet hat, ist bewundernswert. Es dauert nur einige Seiten, bis man in das schlimme Schicksal Manos so hineingezogen wird, dass man mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören kann. Viel Schlimmes bekommt man da zu lesen – Mano hat grausame Dinge erlebt, an die er sich im Laufe des Buches nach und nach erinnert. Das ist mitunter ziemlich schockierend und geht dem Leser unter die Haut.

Besonders beeindruckend fanden die Hermannsburger Haupt- und Realschüler, dass der Junge, über den Anja Tuckermann berichtet, heute noch lebt. Er ist mittlerweile 77 Jahre alt und hat sehr spät beschlossen, jemandem seine Geschichte aus dem Hitler-Deutschland mitzuteilen.

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