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im November 2008

Stefan Markowski aus Polen im Gespräch mit Christian-Realschülern

Im Rahmen des Begegnungsprogramms der Gedenkstätte Bergen-Belsen konnten letzte Woche vielerorts Überlebende der Konzentrationslager mit jungen Menschen zusammen treffen.

Die Schüler der Christian-Realschule erfuhren im Gespräch mit dem 83-jährigen Stefan Markowski aus Polen persönlich erlebte Geschichte, wie sie in keinem Geschichtsbuch steht. Als der zweite Weltkrieg begann, lebte er in Warschau und war im selben Alter wie die Schüler, denen er seinen bewegenden Jugendjahre schilderte. „Hinter Zahlen und Fakten hat sich ihr Blick auf Gesichter und Schicksale geöffnet", berichtet die Klassenlehrkraft Gudrun Patnaik.

Für das Verständnis dessen, was Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren mussten, was Flucht und Vertreibung aber auch bis hinein in unsere Gegenwart bedeuten, habe eine solche Begegnung einen unschätzbaren Wert. „67 Seiten Wissen aus den Schulbüchern zu den Themen „Nationalsozialismus“ und „Menschen mit dem gelben Stern“ ist abfragbares Wissen und notwendige Grundlage“, so Patnaik weiter. Wenige Minuten Erfahrungsbericht des geladenen Zeitzeugens zog die 50 Schüler des 10. Jahrganges in seinen Bann. Stefan Markowkis Stimme, Mimik und Gestik die er bei der Erwähnung seiner Verfolgungsstationen einnahm, ließ die Schüler hautnah die Greuel des 2. Weltkrieges nachempfinden.

Der Dreiundachtzigjährige berichtete von den schrecklichen Ereignissen im Warschauer Ghetto, seine Verhaftung 1944 in Polen als Mitglied der polnischen Oppositionsarmee, seine Einlieferung ins Pawiak-Gefängnis in Warschau, dem langen Leidensweg durch die Konzentrationslager Groß-Rosen, Lieberose, Sachsenhausen und Bergen-Belsen.

Schikanen durch die SS lagen an der Tagesordnung. Vor den Soldaten mussten sie ihre Mützen abnehmen. Taten die Lagerinsassen dies nicht, wurde ihre Kopfbedeckung über den Zaun geworfen. Der Betroffene musste diese wiederholen. Die Schikane erfuhr ihren Höhepunkt mit der Erschießung des Unglücklichen, weil er das Lagergelände verlassen hatte.

Markowski schilderte auch die Befreiung am 15. April 1945. Die letzten zwei Monate seiner Lagerhaft verbrachte er in Bergen-Belsen. Besonders tragisch war für den Überlebenden, dass sein Freund, der ihn durch alle Lager begleitete, nur einen Tag vor der Befreiung gestorben ist. Der Schmerz über diesen Verlust ist bis heute spürbar.

Wenngleich für die Zuhörer sich nur ansatzweise erahnen lässt, was Stefan Markowski auf seinem Leidensweg widerfuhr, so haben die Schüler Respekt vor seiner Aussage, wenn er sagt: „Und trotz allem bin ich bereit zu vergeben“.

„Diese Worte waren wirkungsvoller als aller Unterricht“, weiß Gudrun Patnaik um die Wahrnehmung ihrer SchülerInnen.

Alle Beteiligten dankten dem Weitgereisten und der engagierten Übersetzerin für die schmerzliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und den Dialog.

Die Schule hat weiterhin die Aufgabe, die Jugendlichen im Geiste der Völkerversöhnung und der Gestaltung eines neuen, vom nachbarschaftlichen Geist geprägten Europa zu erziehen.